Die Welt der Räume
Wir leben in einer stark visuell geprägten Welt!
Der Sound oder die Musik müssen sich in den meisten Fällen dem Bild unterordnen.
Immer wenn ich beauftragt worden bin, eine Musik zu schreiben, sollte diese der Untermalung von Bildern dienen.
In vielen Bereichen der Musikwelt ist Musik aber vollkommen und autonom und muss nicht mit Bildern zusätzlich versehen werden.
Bei der Filmproduktion ordnet sich die musikalische Komposition der Bildkomposition unter.
In dem Film „Am seidenen Faden“ hatte ich das große Glück, dass es meist umgekehrt war und sich die Bildmontage meiner Komposition gefügt hat...eine sehr privilegierte Position für den Sounddesigner.
Es hat mir sehr viel Freude bereitet, das Sounddesign für den Film „Am seidenen Faden“ zu gestalten, da ich bei der Produktion uneingeschränkte Handlungsfreiheit hatte.
Die Welt der Räume ist komplett aus der Sicht des Hörens entstanden.
Eine Anzahl von komplex konstruierten Klangräumen, die völlig für sich stehen und keine visuelle Unterstützung benötigen, um ihre Wirkung auf den Hörer zu entfalten.
Man schließt die Augen und lässt sich vom Klang davon tragen in andere Welten... Ein Klangraum besteht immer aus zwei komplementären Polen: Raum und Zeit .
Innerhalb dieser beiden Konstanten ergibt sich eine unendliche Vielfalt musikalischer Variationsmöglichkeiten, ein unerschöpfliches
Reservoir entgrenzter Fantasie. Ein Klangraum ist frei von jeglicher
Konvention vergangener Musikliteraturen.
Der innerste Impuls der Komposition eines Klangraumes
ist eine Stimmung, die aus dem Erleben eines konkreten Moments
entsteht (zum Beispiel die Nachrichten am Vormittag des 11 September. Raum 28 Kriegsraum 11 Sept.),
Die aus Stimmungsimpulsen konstruierten Klangräume transzendieren die Hörgewohnheiten, die sich im abendländischen Musikverständnis über die Jahrhunderte manifestiert haben. Der Hörer tritt ein in eine Klangwelt, die frei von jeglicher musikalischer Vorgabe ist.
Das Fehlen musikalischer Stereotype erlaubt dem Hörer ein neuartiges musikalisches Erlebnis, bei dem zwischen Klang und Fantasie eine direkte Schnittstelle besteht.
Der moderne Mensch, sesshaft in urbanen Ballungszentren, lebt permanent in einem fremdbestimmten Klangraum, auf den er wenig Einfluss hat: der Geräuschpegel der penetranten Konsumwelt ist allgegenwärtig, die Dauerbeschallung ist kaum noch wahrnehmbar, es tritt eine zunehmende Abstumpfung des Gehörs ein, der Mensch wird taub, er verliert die Fähigkeit, die Welt in seinem Bewusstsein über das Gehör zu erschaffen und zu erkennen.
Die quadratische Anordnung von vier Lautsprechern schafft einen neuen Klangraum, der sich gegen die allgegenwärtige Geräuschkontamination durchsetzt.
Der Eintritt in diesen Klangraum ermöglicht dem Hörer, das Sinnesorgan des Gehörs neu auf die Welt zu justieren und seine Fähigkeit zu emotionaler Wahrnehmung zu rekonstruieren.
Eine Klanginstallation der Räume besteht immer aus dem Aufbau von 4 Lautsprechern in einem Raum damit der Eindruck von einem imaginären Raum entstehen kann. Mit geschlossenen Augen möge uns die Fantasie helfen durch die Welt der Räume eine andere Schwingung wahr zu nehmen. ...Und so lebt die „ Welt der Räume“ in uns selbst und wird zu einer neuen Erfahrung des „Hörens“ wenn man sich ihr voll und ganz hingibt...
Boris Baberkoff
Räume (Zusammenschnitt 2004) mp3 |